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Erbach – ein Stadtteil im kulturellen Aufwind

Von himmlischen Chorklängen in St. Andreas bis zu Loriots Badewanne im Thomas-Morus-Haus

09.03.2026

  • Der saarländische Frauenchor sang in der St. Andreas-Kirche, Homburg-Erbach
  • Schallendes Gelächter seitens des Publikums war garantiert bei den vielen Loriot-Sketchen im Thomas Morus-Haus
  • Leon Amelung bei einem Solo-Auftritt am Cello in der St. Andreas-Kirche in Erbach

Am 1. März fand in der Erbacher St. Andreas-Kirche ein ganz besonderes Konzert statt. Dieses stand unter dem Thema "Zyklen der Liebe, des Lebens und der Jahrzehnte" was unser aller Leben begleitet.

Geistlich und weltlich, ernst und humorvoll stellte das gut 90-minütige Konzert eine musikalische Reise durch Hoffnung, Schmerz, Schönheit und Lebensfreude dar und berührte, überraschte und inspirierte die anwesenden Gäste. Der Saarländische Frauenchor hatte alle Interessierten eingeladen, und wenn Marion Wildegger-Bitz den Taktstock hebt, dann weiß man: Das wird mehr als nur ein Konzert. Unter ihrer Leitung brachten der Chor, das Chorensemble sowie die choreigenen Solistinnen Werke von F. M. Bartholdy, E. Whitacre und vielen anderen zu Gehör. Es war faszinierend zu beobachten, wie der Chor den Spagat zwischen geistlicher Tiefe und moderner Lebensfreude meisterte. Da war dieses tiefe, dankbare "For the beauty of the earth" von John Rutter, das perfekt in die sakrale Akustik passte. Aber dann – und das ist das Wunderbare an diesem Ensemble – blitzte der Schalk auf. Wer hätte gedacht, dass die Spice Girls mit ihrem "Wannabe" in einer Kirche so viel Energie entfachen können? Begleitet von der virtuosen Marina Kavtaradze an Klavier und Orgel sowie den melancholisch-schönen Cello-Klängen von Leon Amelung, wurde jedes Stück zu einer kleinen Weltreise. Susanne Baur, die gute Seele des Chores, strahlte nach dem Auftritt förmlich. Im Gespräch erzählte sie unserem Mann vor Ort, wie glücklich alle über die neuen Gesichter im Chor sind. Es ist genau dieser Zuwachs, diese lebendige Dynamik, die zeigt: Kultur ist kein Auslaufmodell, sondern ein Magnet – auch im Stadtteil Homburg-Erbach. Die Stücke waren in einzelnen Gruppen zusammengefasst (Beziehungskisten, Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt, Elemente, sowie Abschied und Wiedersehen), um hiermit das Thema Zyklen vom Flyer auch wieder aufzugreifen.

Sie haben das Konzert verpasst? Dann haben Sie eine weitere Gelegenheit am Sonntag, dem 15. März. Da singt der Chor nämlich um 17 Uhr sein Programm erneut im Kuppelsaal Wemmetsweiler in 66589 Merchweiler. Weitere Informationen unter www.saarländischer-frauenchor.de

 


Zeitgleich an diesem Sonntag, dem 1. März, gastierte im nahe gelegenen Thomas Morus-Haus, quasi wirklich nur einen Steinwurf weit entfernt, das HAT (Homburger Amateur Theater) mit seiner dritten von insgesamt fünf Aufführungen des eingeübten Programms "LORIOTs dramatische Werke – die Ente bleibt draußen!" Hierbei durfte sich das Publikum am 27.2., 28.2., 1.3., 6.3. und 7.3. die buntesten Geschichten einer deutschen Komik-Legende einverleiben. Und glauben Sie es: Im Thomas-Morus-Haus wurde das Zwerchfell wirklich auf eine harte Probe gestellt, wie unser Reporter nur zu gut bestätigen kann. Fünf Aufführungen, alle restlos ausverkauft – 190 Zuschauer pro Abend, die sich vor Lachen bogen. Das ist eine Ansage! Wenn zum Beispiel zwei Paare beim Sketch "Der Kosakenzipfel" anfangen sich köstlich um eine im Grunde belanglose Kirsche zu streiten, was die Freundschaft dann letztlich entzweit und das ganze Geschehen zudem völlig eskaliert, dann ist das nicht einfach nur ein Sketch. Es ist eine handwerkliche Meisterleistung des Ensembles unter der Regie von Dieter Meier und Karl-Herbert Schäfer. Auch, und im Besonderen, weil das gesamte Team den Abend über Phänomenales leistet, was man als Zuschauer gar nicht mitbekommt. Im Gespräch in der Pause mit Karl-Herbert Schäfer, tagsüber Professor für Medizintechnik/Biotechnologie und abends ehrenamtlich als Autor und Co-Autor in der Amateur-Theater-Szene umtriebig, meinte: "...eigentlich ist das hinter der Bühne ein eigenes Theaterstück" und er schmunzelte. "Die Logistik, die Kostümwechsel, das Timing – Loriot verzeiht keine Sekunde Unachtsamkeit." Und genau diese Professionalität im Amateurbereich ist es, was das HAT mit seinen Menschen so besonders macht. Auch bat Herr Schäfer unserer Leserschar noch eine sehr wichtige Botschaft mit auf den Weg zu geben: Wer Lust hat, sich handwerklich oder technisch einzubringen, ist beim Bühnenbau-Team herzlich willkommen. "Sonst muss ich das irgendwann alles alleine machen", lachte er, aber der Ernst dahinter ist klar. Kultur braucht immer Hände, die mitanpacken. Und auch hier: Wer das Stück an den fünf Tagen verpasst hat, hat noch zwei weitere Chancen. Am 28. und 29.3. wird das HAT zusätzlich beim Theaterverein "TITANIA Völklingen" zwei Gastspiele geben. Fazit also: Wenn man diese beiden Ereignisse – den Chor und das Theater – Revue passieren lässt, wird eines deutlich: Erbach ist ein Homburger Stadtteil, in dem die Menschen nicht nur nebeneinander wohnen, sondern miteinander gestalten. Es ist ein "Kulturstadtteil", in dem man Weltklasse-Humor und tiefgreifende Musikkunstdarbietungen wenige Meter voneinander entfernt erleben kann, und es passiert etwas in Erbach. Es ist diese Mischung aus der Beständigkeit der Vereine und dem Mut, auch mal Neues zu wagen. Ob es die Solistinnen des Frauenchors sind, die mit Werken von Pergolesi zu Tränen rühren, oder die Schauspielerinnen und Schauspieler des HAT, die uns den Spiegel des alltäglichen Wahnsinns durch Loriots Komik vorhalten. Sie alle machen Erbach zu einem Ort, an dem man sich zu Hause fühlt, weil der Geist belebt wird.

Bleiben Sie, liebe Leserinnen und Leser, bitte neugierig, unterstützen Sie die hiesigen lokalen Kulturschaffenden und schauen Sie genau hin, denn das nächste kulturelle Highlight wartet sicher schon um die nächste Erbacher Ecke. Text: Chris Ehrlich



Bilder: Chris Ehrlich
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