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Ein halbes Jahrhundert Gerstensaft und Krammarkt

50. Homburger Maifest feierte sein Jubiläum

09.06.2026

  • Der Homburger Marktplatz beim 50. Maifest
  • Die Kombo
  • Ein Prost auf Homburg!

Man muss die Feste feiern, wie sie fallen – oder wie sie die Homburger Kulturgesellschaft alle Jahre wieder auf den Historischen Marktplatz und den Christian-Weber-Platz zaubert. Nun also das große Jubiläum: Ein halbes Jahrhundert Maifest.

Drei Tage voller Musik, Begegnungen und jener unverwüstlichen Frühlingsstimmung, die selbst den asphaltiertesten Fleck unserer Kreisstadt kurzzeitig erblühen lässt. Es war ein Auftakt wie aus dem Bilderbuch des städtischen Protokolls. Man muss es neidlos anerkennen: Petrus muss ein Homburger sein – oder zumindest ein glühender Verehrer unseres Städchens, denn das Sommerwetter zeigte sich von seiner spendabelsten Seite, als Oberbürgermeister Michael Forster am Freitagabend hochoffiziell zur Tat schritt. Mit – man höre und staune – nur einem einzigen, wohlgezielten Schlag saß der Zapfhahn im Fass. Ein ritueller Akt, der im Homburger Land bisweilen kritischer beäugt wird als manche Haushaltsdebatte. Doch das Bier floss, der Bann war gebrochen, und das Jubiläumsfest hatte seinen Segen. Der Marktplatz und der Christian-Weber-Platz füllten sich rasch, die Menschen sehnten sich nach Geselligkeit. Man traf alte Bekannte, die man gefühlt seit dem 49. Maifest nicht mehr gesehen hatte, und lauschte dem bewährten Kontrastprogramm: Hier eine krachende Rock’n’Roll-Party mit „Krüger rockt!“ auf dem Marktplatz, dort südländische Sehnsuchtsklänge mit „Vulcano“ auf dem Christian-Weber-Platz. Des Weiteren spielten an drei Tagen Acoustic Life, die Uni-Bigband (im Rahmen des samstäglichen Jazz-Frühschoppens), die Revengers, die Kombo Good Times, das Orchester Happy Sound, Die Konsorten, Double M, Jim Everfett und The Red Couch in der Zeit vom 29. bis 31. Mai 2026. Dazwischen das unermüdliche Summen der Menschenmengen, die sich aber besuchertechnisch auch eher im Rahmen hielten. Doch wer genau hinsah, der entdeckte hinter den offiziellen Jubelhymnen auch jene kleinen, liebgewonnenen wie bitteren Unzulänglichkeiten, die unser Homburg erst so herrlich menschlich machen. Diesmal waren es auch leider keine drei Musikbühnen, wie sonst gewohnt und wie auch auf den Baustellenzaun-Werbetransparenten zu lesen stand. Die Party mit der Bühne am Rondell fand im Jubiläumsjahr dort nicht statt. Dennoch ein schönes, warmes Gefühl von Heimat überall in der Innenstadt, mit Bratwurst und 0,3 Liter Bier für jeweils 4 Euro und Weizenbier für 6 Euro. So sieht’s aus mit den Preisen in der heutigen Zeit. Doch der wohl gravierendste Wermutstropfen dieses Mal war beim 50. Maifest nämlich rein optischer und haptischer Natur: das bittere Drama um den traditionellen Maifestbecher. Man suchte ihn vergebens! Wo sonst stolz das Plastik-Souvenir für einmalige 2 Euro Kaufpreis in den vergangenen Jahren geschwenkt wurde, herrschte gähnende Leere bei der Jubiläumsfeier. Keine bunten Becher, die man als Trophäe mit nach Hause nehmen konnte, kein haptisches Andenken an die 50. Auflage. Überall nur Biergläser und Glasflaschen mit Getränken der hiesigen Brauerei. Man munkelte im Volk, dass es hinter den Kulissen eventuell massive Lieferschwierigkeiten oder sogar logistische Fehlplanungen gegeben haben könnte, die das Festkomitee eiskalt erwischt haben mögen. Wer weiß? Ein Maifest in Homburg ohne seinen Becher, der als kleiner Obolus und Beitrag zum Fest nun schon seit Jahren dazugehörte und der bislang erfolgreich Glasscherben und Müll spürbar reduzierte, darf einfach nicht fehlen, oder? Und ein weiteres war die Geschichte mit der Erziehung zur Mobilität. Die STADTRADELN-Kampagne 2026 wurde am 30. Mai mitten im Maifest als Teil des saarländischen Stadt- und Schulradelns offiziell eröffnet. Der Startschuss fiel am Samstagmittag im Rahmen des "Tags der Verkehrssicherheit" in der Talstraße. Das Event, zu dem unter anderem Ministerpräsidentin Anke Rehlinger, Umweltministerin Petra Berg und Oberbürgermeister Michael Forster geladen waren, umfasste unter anderem einen Banddurchschnitt zur offiziellen Eröffnung, verschiedene Mitmach-Angebote entlang der Talstraße und eine gemeinsame, familienfreundliche Anradel-Tour mit Start und Ziel am Christian-Weber-Platz. Folglich kollabierte er gänzlich beziehungsweise kam an seine Grenzen des Möglichen, als die versammelten Akteure an Tag zwei der Maifestveranstaltung Verkehrssicherheit in der gesperrten Talstraße predigten. Man darf leise schmunzeln, denn wer versuchte, mit dem Automobil auch nur in die Nähe eines Parkplatzes zu gelangen, fand sich in einer Odyssee wieder, die selbst Odysseus das Fürchten gelehrt hätte. Aber gut, man ging dann eben zu Fuß – ist ja eh viel gesünder. Schlussendlich meldeten die Behörden aber keine Exzesse – weder beim Maifest, noch im Straßenverkehr. Alles blieb friedlich. Ein Erfolg auf dem Papier. Und trotz des Verkehrschaos, trotz des fehlenden Jubiläumsbechers und trotz des Mülls zieht es uns immer ja doch immer wieder hin.

Weil es eben UNSER Maifest ist. Herzlichen Glückwunsch, altes Haus – auf die nächsten fünfzig Jahre im Homburger Trubel. Wir sehen uns! Text: Chris Ehrlich



Bilder: Chris Ehrlich
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