? Partizipative Installation "Wooden Cloud – Wooden Wave" am Mannlich-GymnasiumWo eine Welle den Ozean überwindet – und warum Kunst manchmal Mut braucht09.07.2026Wenn Sie in diesen Tagen am Christian von Mannlich-Gymnasium in der Homburger Hiltebrandtstraße vorbeischauen, werden Sie Ihren Augen kaum trauen. Da prangt sie an der Wand, gigantisch, imposant und irgendwie herrlich unruhig: die "Wooden Wave". Eine hölzerne Welle, die uns weit über den eigenen Tellerrand blicken lässt. Aber fangen wir von vorne an. Wir schreiben das Jahr 1996. Damals wurden die ersten zarten Bande zwischen unserem schönen Saarpfalz-Kreis und dem fernen Henrico County in Virginia geknüpft. Ein Jahr später unterschrieben Landrat a. D. Clemens Lindemann und County Manager Virgil Hazelett die offizielle Partnerschaftsurkunde. Das ist jetzt schon dreißig Jahre her. Drei Jahrzehnte, in denen Jugendliche den Atlantik überquerten, an der Mills E. Godwin High-School in Virginia Freundschaften schlossen und feststellten: Mensch, die drüben ticken ja gar nicht so viel anders als wir. Und wie feiert man so ein Jubiläum standesgemäß? Genau, mit Kunst, die anpackt. Der Impuls kam von keinem Geringeren als dem saarländischen Bildhauer Martin Steinert. Seine "Wooden Clouds", monumentale, partizipative Skulpturen aus einfachen Holzlatten, hingen schon in Paris, Berlin, St. Petersburg und sogar in Ramallah. Steinert ist ein Mann fürs Große. Er erzählte beim Pressegespräch schmunzelnd, dass er anfangs einfach ein billiges Material suchte, um monumental arbeiten zu können. Doch in Österreich kam die Erleuchtung: Die Menschen liefen nicht nur vorbei, sie wollten teilhaben. Also ließ er sie ihre Wünsche und Hoffnungen auf die Holzlatten schreiben. Ein geniales Konzept, das bis heute in über 42 Städten weltweit wunderbar funktioniert. "Noch nie ist etwas kaputt gemacht worden", verriet er sichtlich stolz. Warum? Weil die Menschen spüren, dass es ein Teil von ihnen selbst ist. Und so ein Projekt sollte nun nach Homburg kommen. Als die emsige Beate Ruffing vom Büro des Landrats – von allen bei der Presseveranstaltung liebevoll als "Herz und Seele" des Ganzen betitelt – gemeinsam mit Stefan Leonard vor über zwei Jahren die Idee an die Schule herantrug, saßen die dortigen Kunsterzieher erst mal da. Als Lehrer muss man ja auch mal "Nein" sagen können, wenn die Arbeit überhandnimmt. Aber hier? Keine Chance! Mit einem echten Künstler zusammenarbeiten, der die Ideen der Jugend eins zu eins integriert? Das war ein Volltreffer! Das Team um die Lehrer Frau Linke, Frau Kani und ihren Kollegen war überwältigt vom Feedback: 60 Schülerinnen und Schüler des Mannlich-Gymnasiums und der amerikanischen Mills E. Godwin High School steckten die Köpfe zusammen. Erst via Videokonferenz – nachmittags um drei in Homburg, morgens um neun in Virginia –, dann ganz real mit Heißkleber und kleinen Holzstäbchen. In Windeseile entstanden Modelle im Maßstab 1:10. Aus der klassischen "Wolke" wurde dabei eine "Welle". Steinert erklärte die charmante Formänderung so: "Das symbolisiert den großen Ozean zwischen unseren Nationen". Und ja, so eine Welle ist mal unruhig, genau wie das politische Verhältnis zu Amerika hin und wieder. Aber der Ozean ist eben nicht unüberwindbar. Beim Aufbau ging es dann im Akkord zur Sache. Es wurde geschraubt wie verrückt, die Jugendlichen waren viel schneller fertig als gedacht. Für die finale, luftige Montage in schwindelnder Höhe brauchte es dann aber doch den Meister selbst – tatkräftig unterstützt vom Homburger Hausmeister Martin Marx am Mannlich-Gymnasium, der wie immer sofort zur Stelle war. Am Ende strahlten nicht nur Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot, die gerne die Schirmherrschaft übernahm, sondern auch Schulleiter Dirk Kleemann und Landrat Frank John. Unter den Gästen sah man auch Helen Patton von der Patton-Stiftung und Prof. Dr. Astrid Fellner vom Deutsch-Amerikanischen Institut anerkennend nicken. Was bleibt, ist eine neue Landmarke für Homburg. Ein hölzernes Dokument der Verbundenheit, das dort hoffentlich die nächsten zwanzig Jahre überdauert. Und mir persönlich ging beim Zuhören eine kleine, herzerwärmende Anekdote nicht aus dem Kopf, die Martin Steinert aus Berlin-Neukölln erzählte. Dort stand ein türkischer Mitbürger stundenlang vor einer seiner Wolken, las die Friedenswünsche auf den Latten und fragte den Künstler schließlich: "Wenn sich so viele Menschen Frieden wünschen in der Welt, wieso haben wir keinen?" Eine weise Frage eines einfachen Mannes. Die Wooden Wave am Mannlich-Gymnasium liefert vielleicht nicht die endgültige Antwort, aber sie setzt genau das richtige Zeichen: Wenn junge Menschen gemeinsam an einem Strang, oder besser: an einer Latte, ziehen, dann funkt es. Und dann ist es völlig egal, wer drüben im Weißen Haus gerade am Schreibtisch sitzt. Die Gastfreundschaft und das Miteinander siegen. In diesem Sinne: Genießen Sie die Sommerferien, tragen Sie die Idee des Friedens im Herzen, und riskieren Sie ruhig mal einen Blick nach oben zur Homburger Riesenwelle. Text: Chris Ehrlich Bilder: Chris Ehrlichzur Übersicht Sie möchten eine Werbeanzeige schalten?Rufen Sie uns gerne unter +49 (0) 68 41 / 61 40 5 an oder nutzen Sie unser Kontaktformular.BagatelleDie Homburger StadtzeitungSeit Oktober 2019 bieten wir Ihnen auch an, die Bagatelle online zu lesen. Klicken Sie einfach auf den unten stehenden Link, um dann kostenfrei die Bagatelle als PDF lesen zu können. Um künftig noch schneller und aktueller zu sein, werden wir auch online für Sie noch präsenter sein. Viel Spaß wünscht Ihnen das Team der Homburger Stadtzeitung! Online-Ausgabe
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