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? Ein Wappen für den Homburger Ortsteil Erbach

Von wilden Ebern, weisen Beschlüssen und dem Mut zur Farbe

09.07.2026

  • Ortsvorsteher Markus Uhl (re.) präsentiert stolz im Beisein des hauptamtlichen Beigeordneten Philipp Scheidweiler (li.) das neue Wappen von Erbach
  • Die offizielle
  •  v.l.n.r.: Joachim Emser, hauptamtlicher Beigeordneter Philipp Scheidweiler, Ortsvorsteher Markus Uhl, Dr. Christiane Seitz

Manchmal dauert es eben ein bisschen länger, bis zusammenwächst, was zusammengehört. Genauer gesagt: 52 Jahre. So viel Zeit ist seit der Kommunal- und Verwaltungsreform 1974 ins Land gegangen.

Doch jetzt hat der größte Homburger Stadtteil Erbach Nägel mit Köpfen – oder besser gesagt: Ernst mit der Heraldik gemacht. Als erster Gemeindebezirk überhaupt hat sich Erbach ein eigenes, brandneues Ortswappen gegeben. Ortsvorsteher Markus Uhl und der hauptamtliche Beigeordnete Philipp Scheidweiler hatten am 19. Juni 2026 hierfür zu einem ganz besonderen Medientermin geladen. Ort des Geschehens: die Räumlichkeiten des Erbacher Ortsrates in der Dürerstraße, mit dem einladenden Blick auf den Luitpoldplatz – besser bekannt bei alteingesessenen Erbachern ist das Gebäude als "das braune Haus", in dem ehemals die Erbacher Polizeistation ihren Sitz hatte. Und da lag es nun, das neue Prachtstück, frisch ausgedruckt – quasi noch warm vom heimischen Drucker des Ortsvorstehers. "Es ist die Aufgabe des Ortsrates, sich auch mit Heimatkunde, Brauchtum und der eigenen Identität zu beschäftigen", betonte Markus Uhl mit spürbarem Stolz. Natürlich wisse man, dass Erbach auch ganz andere, soziale Herausforderungen und handfeste Probleme habe, um die man sich kümmere. Aber die Wahrnehmung des Ortes, das Selbstverständnis – das gehöre eben auch dazu. Philipp Scheidweiler, der die besten Grüße der Stadt Homburg überbrachte, freute sich sichtlich über das Engagement vor Ort: "In anderen Stadtteilen machen das die Heimat- oder Verkehrsvereine. Dass sich hier der Ortsrat so intensiv dahintergeklemmt hat, ist toll." Ein Schnäppchen war die Sache übrigens auch für die Erbacher Kasse: Die Stadt Homburg hat das Wappen nicht nur offiziell gestiftet und die Führungsberechtigung verliehen, sondern auch die Kosten von rund 1.500 Euro für die Beratung und die offizielle Eintragung übernommen. Denn das Wappen ist ab sofort hochoffiziell in der Deutschen Ortswappenrolle des Herold zu Berlin registriert! Wichtig für die Erbacher Vereine: Es ist zwar kein offizielles Dienstwappen (der Lindenbaum der Stadt Homburg bleibt natürlich die unangefochtene Nummer eins im Amt), aber mit Erlaubnis des Ortsvorstehers dürfen Vereine und gemeinnützige Organisationen das neue Symbol für ihre Zwecke nutzen. Wer nun glaubt, so ein Wappen schüttelt man mal eben aus dem Ärmel, durfte beim Pressetermin schmunzelnd erfahren, wie viel Herzblut, Diskussionen und Emotionen in so einem Prozess hinter den Kulissen stecken. Seit Ende 2024 saßen eine Arbeitsgruppe des Ortsrats, darunter Joachim Emser und Dr. Christiane Seitz zusammen mit dem Heraldiker Rolf Heinz vom Verein für Landeskunde des Saarlandes in rauchfreien, aber dafür hitzigen Sitzungen, die Köpfe zusammensteckend.

Drei Symbole sollten die Geschichte Erbachs widerspiegeln:

Der Eber für den Namen und die Historie (einst "Eberbach") .
Die Zahnräder für die enorme industrielle Entwicklung, die Erbach zum größten Industriestandort machte und Arbeitsplätze brachte.
Und natürlich der Bach (der Erbach selbst).


Und genau bei diesem Bach ging es ans Eingemachte. "Bei den Farben gab es erbitterte Diskussionen", verriet Markus Uhl mit einem Augenzwinkern. Die Farben der Stadt Homburg sind ja Grün-Silber. Aber welche Farbe soll nun der Bach haben? Die Gemüter erhitzten sich. Muss ein Bach blau sein, weil Wasser nun mal blau ist? Oder silbern? Oder weiß? Am Ende fasste man einen weisen Beschluss: Der Bach wurde blau. Das brachte zwar den Berliner Heraldiker kurz ins Schwitzen, weil die klassische Wappenkunde eigentlich maximal zwei Farben vorgibt, damit man das Wappen auch aus der Ferne im tiefsten Mittelalter noch gut erkennen kann (Freund oder Feind?). Aber Berlin drückte ein Auge zu: Der blaue Bach wurde akzeptiert! Ein Eber mit, sagen wir: "besonderer Note". Doch das war noch nicht alles. Für Erheiterung sorgte die Anekdote über die optische Ausgestaltung des Ebers. Erbach hat bekanntlich einen größeren muslimischen Bevölkerungsanteil, und man wollte beim Thema "Schwein" ohnehin sensibel vorgehen. Doch der erste Entwurf des Heraldikers schoss in eine ganz andere Richtung über das Ziel hinaus. "Der erste Eber war, nun ja, äußerst männlich", lachte die Runde. Als Ganzkörper-Eber gezeichnet, waren die primären Geschlechtsmerkmale derart überdimensioniert und unübersehbar dargestellt, dass der Ortsrat direkt die nächste Krisensitzung einberufen musste. Man einigte sich schließlich auf eine deutlich jugendfreiere, aber dennoch stolze Variante, bei der sich niemand beim Blick auf das Wappen peinlich berührt wegdrehen muss. Alles in allem ein nun rundum gelungener Wurf für Erbach mit Herz, Geschichte und einer guten Portion Humor erstritten! Frisch, fröhlich und hoch motiviert blickt Erbach jetzt nach vorn in die Zukunft. Ein offizielles Schild für das Gebäude am Luitpoldplatz ist bereits in Arbeit, denn so ein Wappen schafft Identität und wird zukünftig auch einen Ehrenplatz am großen Homburger Maibaum erhalten.

Die ersten Aufkleber-Ideen schwirrten beim Pressetermin auch schon durch die Köpfe... Wir dürfen also gespannt sein. Text: Chris Ehrlich



Bilder: Chris Ehrlich
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